Installation

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Kalksandstein, Rundstähle, Metallkern, (4,5 x 5 x 5Meter)

2017 / Ausschreibung „Verbundenheit“

Bildbeschreibung

Die Skulptur „Verbundenheit“ wählt die Form der offenen Schale, die es mit Inhalt (symbolisch: mit Leben) zu füllen gilt – durch vielfältige Formen der gelebten Städtepartnerschaft.Symbolcharakter hat auch die Wahl des Materials. Die Hülle besteht aus Kalksandstein, der hierzulande seit Jahrzehnten im Hausbau Verwendung findet. Mehrere tausend solcher Steine werden mit Stangen aus rostfreiem Rundstahl zusammengehalten. Die Verwendung alltäglicher Materialien und die offen einsehbare Konstruktion sollen zwei Aspekte verdeutlichen: Die Städtepartnerschaft wird von allen Mitglieder der Stadtgesellschaft getragen, und sie wird nicht nur durch einzelne Festakte mit Leben gefüllt, sondern durch viele regelmäßige Beziehungen auf verschiedenen Ebenen auf eine solide Grundlage gestellt – eine solide Grundlage, für die der Kalksandstein steht. Die Edelstahlrohre im Inneren der Schale veranschaulichen den Zusammenhalt sowie die Struktur, die sich aus vielen einzelnen Verbindungen ergibt.

Das Modell vermag aufgrund des weniger kleinteiligen Aufbaus den ästhetischen Gesamteindruck der Skulptur nur annähernd wiederzugeben: Die Kante wird nicht gezackt wirken („Eierschale“), sondern wesentlich gleichmäßiger verlaufen („Klangschale“), so dass die Symmetrie und damit die Harmonie der Form betont wird.

Auf einem Fundament aus Beton wird ein zentraler Pfeiler errichtet, an dessen oberem Ende eine Stahlkonstruktion zur Verschraubung der Edelstahlrohre angebracht wird. Die verwendeten Kalksandsteine sind Plansteine zum Versetzen in Dünnbettmörtel (ab Werk mit einem Durchlass für Versetzgeräte ausgestattet, in dem das nach außen gerichtete Ende des Stahlrohrs befestigt wird). Jeder Stein wird über eine Stange mit dem zentralen Pfeiler verbunden. Dabei wird das Gewicht durch das Aufliegen auf den unteren Steinschichten reduziert. Durch die Zwischenräume zwischen den Steinen lässt sich die Skulptur mit Hilfe eines Hochdruckreinigers bei Bedarf säubern.

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Zitate „Rosa Luxemburg“, Waschbeton, Halterung, Schienenführung, (Einzelbuchstabe ca. 1,3 x 0,5 x 0,2Meter)

2017 / Ausschreibung „Worte haben Gewicht“

Bildbeschreibung

Zitate Rosa Luxemburgs und von Berlinerinnen und Berlinern ausgewählte Kernbegriffe unserer Zeit werden in Beton gegossen und auf Schienen fortlaufend an der Fassade des Neubaus (alle vier Seiten) angebracht. Die Installation wirbt im Sinne Rosa Luxemburgs für eine politische Kultur, in der Argumente mehr zählen als Emotionen, die dem Populismus den Raum nimmt und programmatisch Menschen und Institutionen verbindet. Worte haben Gewicht.Konzeption: Die Installation nimmt Bezug auf Rosa Luxemburg, die heute noch vielfach als Urheberin prägnanter und nach wie vor aktueller in Erinnerung ist: “Zu sagen was ist, bleibt die revolutionärste Tat”, “Freiheit ist immer Freiheit des anders Denkenden”, “Man kann die Menschen nur richtig verstehen, wenn man sie liebt”, “Die Revolution ist grossartig, alles andere ist Quark!”, “Nur wer sich bewegt, spürt seine Fesseln”, “Die Dividenden steigen und die Proletarier fallen”. Neben ihrer kämpferischen Seite sind von Rosa Luxemburg aber auch autobiographische Reflexionen überliefert, die sie als Denkerin zeigen, die ihre Worte mit Bedacht wählt: “Ich habe das Bedürfnis, so zu schreiben, dass ich auf die Menschen wie der Blitz wirke, sie am Schädel packe, selbstredend nicht durch Pathos, sondern durch die Weite der Sicht, die Macht der Überzeugung und die Kraft des Ausdrucks”.

Die Installation will beide Seiten der historischen Persönlichkeit zu Wort kommen lassen und auf diese Weise Rosa Luxemburg als eine facettenreiche Intellektuelle und Aktivistin würdigen. Dies kann nur in ihrem Sinne gelingen, wenn man auch die Menschen einbezieht, die sie „am Schädel packen“ will.

In einem Ideenwettbewerb, der während der Arbeiten zum Aufbau der Installation abgehalten wird, sind Bewohner im Kietz, Passanten und Touristen, MitarbeiterInnen der Stiftung und alle, die Interesse zeigen, eingeladen, Kernbegriffe oder Phrasen vorzuschlagen, die unsere Zeit charakterisieren. Das können „Unwörter“, aber auch positiv besetzte Begriffe sein, die sich in Beton gießen lassen. Auf diese Weise wirkt die Installation, und mit ihr die Stiftung, in den öffentlichen Raum hinein.

Warum Beton? Beton wiegt schwer, wie ein Wort. Er ist auch haltbar, wenn man gut arbeitet. Die einzelnen Buchstaben werden in Formen gegossen und dann in umlaufend angebrachten Metallschienen zu Begriffen und Sätzen zusammengesetzt.

Es stehen zwei Arten von Beton zur Auswahl (über die verwendete Variante ist nach Rücksprache mit der Stiftung und ggf. den Architekten des Gebäudes zu entscheiden), nämlich Sichtbeton und Waschbeton. Letzterer erinnert an die Auswüchse des gemütlichen Wirtschaftswunders und droht aus dem öffentlichen Stadtbild zu verschwinden. Allerdings verunruhigt die grobe Körnung das äußere Erscheinungsbild der klassischen Backsteinbrüstung.

Durch die Wahl des Werkstoffs bewahrt die Installation auch ein Stück Stadtgeschichte, in Erinnerung an „Berlins brutale Betonjahre“, so die Zeitung DIE WELT über die Ausstellung „Radikal Modern. Planen und Bauen im Berlin der 1960er-Jahre“ (2015).

Konstruktion: Die in die Außenwand eingelassenen Schienenführung (Jordahl) ermöglicht die sicherere und solide Anbringung der Objekte.

Typografie: Die meisten Zitate sind kurz gehalten und verlaufen über eine komplette Hausseite. Sie beginnen von der Hausseite (Breite Seite / Westen) und enden teils auf der Kopfseite des Haupteinganges (Schmale Seite / Süden). Das lange Zitat (autobiographische Reflexion) umläuft den kompletten Hauskörper. Auf der gegenüberliegenden breiten Hausseite (Osten) werden die im Wettbewerb ausgewählten Begriffe und Phrasen angebracht.

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Gerüstrohrkonstruktion, Raum, Holz, Dämmplatten, Discokugel, Motor, Spiegelflächen, (2,5 x 1,3 x 1,3Meter)

2017 / Ausschreibung „Odysee der Jugend“

Bildbeschreibung

Die begehbare Installation thematisiert die Odysse der Jugendzeit. Bei der Arbeit handelt es sich um eine begehbare und somit erfahrbare Kunstinstallation. Mittels der UV-LED Spots zeigt sich der flureszierend blau gestrichene Kubus den Passanten in einem unwirklich leuchtenden Blau. Über die offen stehende Ein- und Ausgangstür dringt aus dem Innenraum laute Discomusik mit dem dazugehörigen flackernden Lichtschein.

Der Besucher ist nun angehalten den offenen Raum zu betreten. Erst im Raum ist es möglich diesen mit dem innen liegenden Türknauf zu verschießen. Nach kurzer Zeit endet die musikalische Discobeschallung und der Motor der an der Decke installierte Discokugel steht still. Jetzt gibt die schallisollierte und zu allen Seiten verspiegelte Rauminstallation den Blick auf das Wesentliche frei. Den Blick auf sich selbst. Ob sich nun der Besucher dererlei Assoziationen aus der Zeit der Diskothekenbesuche oder nur der Ruhe und dem Gesehenen hingibt steht ihm frei.(R.)

Teppich, Silikon, (2,4 x 2,1Meter)

2017 / Installation „Design – Betrug“

Bildbeschreibung

„Schön Wohnen tut`s auch!“ Gilbert Flöck

Wer kann der darf noch lange nicht… !

Konsumiert kein Möbel sonder nutzt Sie!

Wer einmal etwas Gutes hat shoppt nicht mehr!

Künstliche Bedürftigkeit!

Der Käufer sollte verantwortlich und die Möbel nützlich sein!

Wenn ich einen Tisch kaufe muss ich auch dran sitzen wollen!

Möbelindustrie – Materialvernichtung – Wegwerfgesellschaft

Lieber Designer es tut mir leid, aber die gute Dinge wurden längst erfunden!

Wenig Gutes für viel Neues.

Ein Möbel sollte ein Erbstück sein (können)!

Möbel und Mode singen nicht!

Wer einen Paxschrank will begreift nicht, daß es längst Zeit wäre ganz woanders reinen Tisch zu machen.

Es gab einmal Schränke die man beliebig Auf-und Wiederabbauen konnte.

Die Aufblasbaren Möbel sollte als Kehrtwende verstanden werden!

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Schlosskamin, Projektfläche, Fundament, (3,5 x 4 x 8Meter)

2016 / Ausschreibung „Schlosskamin“

Bildbeschreibung

Die Installation „Schlosskamin“ will das ehemalige Schloss als Ort der Begegnung wieder beleben und mit neuem Leben füllen. Der Kamin bietet eine heimelige Kulisse für Veranstaltungen unterschiedlicher Art: Bei mobiler Bestuhlung können hier Autorenlesungen, Kammerkonzerte oder Podiumsdiskussionen zu Themen rund um den Park veranstaltet werden.

Der Gedanke eine riesige Installation in den Dimensionen eines Schlosses zu errichten, gefiel mir. Aufgrund der von Fr. Lehmann gepflanzten Hecke zeigte sich, daß die Darstellung über den Bodenumriss mit den angrenzenden Kunstobjekten nicht umzusetzen war. Aufgrund der verschiedenen Bäume musste die Andeutung von Grösse, Umriss und Struktur des Schlosskörpers sich oberhalb der Baumwipfel abspielen. So überlegte ich mittels aufgehängter zeichnerischen Rundstähle auf die Silhouette und Dimension des Dachstuhls und der oberen Fensteröffnungen hinzuweisen, um den Hauskörper zwar für Eingriffe unerreichbar, doch für die Betrachter erfahrbar werden zu lassen. Obwohl diese Umsetzung mittels ihrer zeichnerischen Leichtigkeit angrenzende Kunstobjekte bestehen liesse musste ich Sie mangels realistischer Umsetzung (Aufwand) aufgeben.

Nachdem ich auch die Idee eines stilisierten Schlossfensters, welchen über eine Gerüst den Blick auf den Kölner Dom ermöglichte aufgab, löste ich mich von der Darstellung der Hülle und konzentrierte mich auf die wesentliche Bedeutungen des Schlosses. Da das Schloss auch nicht mehr als ein Haus ist, bietet es über ein Dach den Bewohner Schutz und über eine zentrale Feuerstelle die nötige Lebenswärme.

Mit dem Zitat von Thorsten Harold „Selbst wenn das Feuer erlischt, so bleibt doch die Erinnerung an Wärme“ konkretisierte sich meine noch unklaren Gedanken eines Kamins.

Der Kamin als zentrale Ort der Wärme und Austausches kam mir in seinem Gefühl sehr nah. Auch gefiel mir der vielleicht selbstlose Gedanke des betuchten Freiherr Franz Egon von Fürstenberg-Stammheim die Schlossparkbesucher beim Verkauf der Anlage mit zu berücksichtigen und etwas zurückgeben zu wollen. Überhaupt das Gefühl einen Ort zu haben, dazu zu gehören und etwas miteinander zu teilen gefiel mir als Metapher (Kernaussage) des Kunstobjektes.

Die Errichtung eines übergrossen Kamins sollte den historischen Ortsbezug aufgreifen. Die Grösse und aufgebrachten Verzierungen des Kamins sollten die Macht und spielerische Schönheit des ehemaligen Anwesende wiedergeben. Doch mit der Liebe für Feuer und der von ihm ausgehenden Faszination war schnell klar, daß es sich bei diesem Objekt nicht um eine Attrappe Handeln durfte.

Dieses Objekt musste so konzipiert werden, daß es als Feuerstelle zu betreiben möglich wäre. Um einen Brennvorgang zu ermöglichen musste die Kaminkammer aus Schamott oder Ziegelstein gemauert sein. Für die ästhetischen Konstruktion mussten Verhältnisse des Goldenen Schnitts berücksichtigt werden. Zur Sicherung müsste ein Baustatiker das Fundament berechnen. Und mittels eines geschmiedeten Gitters muss der Brennraum verschlossen und für gewisses Anlässe /Events geöffnet werden können.

Das neben statistischer Notwendigkeit auch spielerisch gedachte gross bemessene Fundament sollte diesem Betreiben einen Rahen geben. Nachdem ich die anfängliche Idee historischer in Beton gegossener Sitzmöbel aufgab, sollte zumindest die angelegte Fläche dazu einladen diesen Vorraum wie auch immer zu bespielen.

Auch die mittels der Betonschalen entstehende grosse rückseitige Fläche des Kamins sollte als Textfeld fungieren. Neben anfänglichen Gedichten gefiel mir zunehmend die Idee alle Menschen welche einen individuellen Bezug zum Park haben werden mit ihrem Vornamen zu benennen. Dieser extrem persönliche und gewollt auf Augenhöhe verewigte Namensnennung sollte den breit angelegten Nutzen eines solchen Parks aufzeigen.

So könnte der Name eines Jugendlichen, welcher die Zerstörung von Kunstgegenständen als spannendenden Moment ansah neben dem ehemaligen Schlossherrn und Spender diese Parkanlage stehen. Der persönliche Bezug des Vornamens behält nur mit den lebenden Personen und den Erzählungen seine Bedeutung und den damit enthaltenen Lebensbezug. Sollte diese Personen diesen Lebensbezug nicht aufrechterhalten können bleiben nur irgendwelche Vornamen.

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Glasfaserbezug, Spiegelfläche, Kunstforum an Kette, (1,5 x 2,1 x 1,1Meter)

00:08min.
01:04min.
00:48min.
02:05min.

2016 / Installation „Hollywoodschaukel“

Bildbeschreibung

Die zweiteilige Installation „Hollywoodschaukel +“ ermöglicht flüchtige Begegnungen mit der Notwendigkeit der kurzweiligen Entschleunigung…. Die im Erdgeschoss des Atelierhauses Kunstwerk e.V. im Fluchttreppenhaus befindliche Sitzmöglichkeit wurde nach zuvoriger Abfackelung um ihrer plüschigen Werkstoffe beraubt und mit Brandschutztextilien ersetzt. Wobei die ursprüngliche Anmutung der verspielten Bequemlichkeit erhalten blieb.Mittels der auf die Spiegelfläche eingeritzten Textzeilen kommt es zur weiteren Aufheizung der Begegnungsstätte…. (G.+R.)
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Teppich, chlorgebleicht, Silikon, (2,4 x 2,1 x 0,1Meter)

2015 / Installation „Angespartes Gleich“

Bildbeschreibung

„In stillem Gedanken an die Zeit die vertan wurde.“ Gilbert Flöck

„Frühstückspause gespart, und durchgemacht.

Nachmittags im Baumarkt eingefordert, dass man ne Kasse aufmacht.

Die umherliegende Zeit frei verfügbar gemacht.

Im Netz mit Ebay vertan, und schnell mit fadem Sex bedacht.

In der geborgten Zeit der Gemütlichkeit, mit der Familie verkracht.

Und dann nach schlafloser Nacht nicht mehr aufgewacht.“ Gilbert Flöck

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Lamellenschiene, Alu, Glycerin, (2,4 x 2,4 x 0,3Meter)

00:19min.

2015 / Installation „Abgeperlt“

Bildbeschreibung

„Jedem guten Künstler ein noch besserer Galerist, weil sonst nebst Rotwein nur trocken Brot er frist.“(G.) Die Installation besteht aus einer überlebensgrossen Spiegelfläche. Die einzelnen Aluminiumlamellen reflektieren das Gegenüber. Über die Verdichtung der mit Tröpfchen überzogene Oberfläche entsteht ein Schriftauftrag. Die Arbeit wirkt in ihrer Ästetik zunächst anziehend schön. Der mittels feinster Tröpfchen aufgetragene Film unterbricht die hochglanzpolierte Spiegelung. Der über die Tropfchenverdichtung erzeugte Aufruf scheint als eine Art persönlicher Nachricht nur für den Moment zu bestehen. Neben der anziehenden Oberfläche und dem sich ständig wechselnde Lichteinfall des reflektierten Gegenübers tritt das mühevolle Lesen des Texte immer wieder in den Hintergrund.

Die Installation „Abgeperlt“ spielt zunächst mit der Gratwanderung von Design und Kunst. Zweifelsfrei ist die Spiegelinstallation ein bestechendes Designobjekt. Mit der Angst an diesem Designobjekt als Künstler jedoch zu scheitern, wollte und musste ich dieser Fläche verändern. Sie in den Griff bekommen ohne Sie jedoch zerstören zu wollen. So versuchte ich anfänglich mittels Buttermilch die Fläche zu matieren. Mit der so entstandene völlige Auflösung der auf mich so sehr faszinierenden spiegelnden Oberfläche stoppte ich dieses Experiment und säuberte das Objekt mit klarem Wasser. Da die Idee mit Texten zu arbeiten bereits im Vorfeld bestand, kam ich über die Säuberung zufällig an die spannende Tröpfchenbildung von Wasser.

Mit den Erinnerungen an die feuchtigkeitsbeschlagenen Spiegelflächen nach einem Bad konkretisierte sich zunehmend mein inneres Bild. Neben der Eigenschaft der Kondenströpfchen ihre angrenzenden Oberflächen zu spiegeln und sich so als Material extrem zurück zu nehmen faszinierte mich immer mehr gerade dieser extrem flüchtige Eigenschaft. Endlich und über viele Versuche gelang es mir mit Glycerin den Verdunstungsprozess wesentlich zu verzögern und das neuentdeckte Material nutzen zu können.(G.)

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Baugerüst Alu, 11 Marionetten, Holz, Maschendraht, Folie, Farbe, (3 x 3 x 8Meter)

2015 / Installation „Reisende soll man nicht aufhalten…“

Bildbeschreibung

Die mit Folie bespannte Installation „Reisende soll man nicht aufhalten“ zeigt einen Bus mit ca. 10 Reisenden. Beim Durchschreiten des Innenraums (Durchgang) trennt lediglich ein Maschendrahtzaun die Besucher von der Szenerie. Die mit Maisschips befüllten Figuren sind wärend der Ausstellungszeit den Wetterbedingungen schutzlos ausgesetzt. Unter dem Einfluss von Sonne, Wind und Regen verändern sich die Materialien, und mit ihnen die Körperformen. Die Installation ist darauf ausgelegt, diesen Wandel sichtbar zu machen. Mit Hilfe einer Zeitrafferkamera wird der Verfallsprozess dokumentiert.(R.)
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Dämmplatten Aluverbund, Teer, Federn, (2,4 x 2,4 x 0,3Meter)

00:28min.

2015 / Installation „Pfennigfuchser“

Bildbeschreibung

„Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat“. Matthäus-Effekt

Münze, Fünfzig Pfennig, Fuchs, Frau, Schönheit, Nachkriegszeit, Pflanze, Erde, Generation, Wert, Verantwortung, Miteinander, Trinkgeld, Füreinander, Respekt, Verteilung, Geiz, Gier, Vorwurf, Vergebens, Verlust, Verachtung….(G.)

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Naturbelassene Jute, Maischips; Kokusseil, ca. 10.000Liter, (2 x 2 x 2Meter)

07:32min.

2015 / Installation „One Way“

Bildbeschreibung

Gross und vergänglich soll es sein. Schwer wird es empfunden, und schwer wird es werden. Doch am Ende wird es wieder luftig und leicht. Die pralle Fülle des Objektes steht für das menschliche Leben und den Wunsch des Menschen, der Natur seinen künstlichen Stempel aufzudrücken. Etwas zu hinterlasse, woran man sich erinnern kann, um nicht vergessen zu werden. Die Flüchtigkeit des Materials – natürlich abbaubare Werkstoffe wie Jute und Maischips – hingegen untergräbt diesen Wunsch und fokussiert den Zyklus des Lebens und seine Vergänglichkeit.

Das Objekt wurde so konzipiert, dass es sich unter dem Einfluss der Witterung allmählich zersetzt. Eine besondere Spannung entsteht dabei daraus, dass sich trotz diverser Vorstudien nicht mit Sicherheit abschätzen lässt, wie lange dieser Prozess dauern wird – das Kunstwerk wird unter dem Einfluss der Natur sich selbst überlassen. Mit der Zeit verwandelt sich der pralle runde Ballon in einen schlaffen unförmigen Sack, die Reste der Maischips düngen den Boden. Der Lebenszyklus wird erfahrbar, wenn auch nicht gänzlich vorhersehbar: Wird der anfänglich leichte Körper vom Regen beschwert abreissen, oder sich filmreif nach und nach in seine Bestandteile zersetzen, um langsam, aber sicher gänzlich zu verschwinden? Wie lange wird es dauern, bis auch die Erinnerung vergeht?

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264 Holzkreuze, 132 Glöckchen, Motor, Bewegungsmelder, (2,5 x 2,5 x 0,5Meter)

01:10min.

2015 / Installation „Kreuzgitter“

Bildbeschreibung

Der lärmende Motor rattert und scheint an dem Holzgitter zu zerren, um es entweder aufzureissen oder gänzlich zuzustossen.Das Rollgitter besteht aus Holzkreuzen. Diese sind vorderseitig schwarz verkohlt und rückseitig fluoreszierend pink lackiert und mittels Flachstahlbändern miteinander verbunden. Jedes Kreuz hat an seiner Mitte eine sichtbare Schelle. Hinter dem Holzgitter ist eine vollflächige Metalljalousie angebracht, welche reflektiert. Diesen spiegelnden Flächen wurden religöse Texte eingeritzt. Über einen Bewegungsmelder wird ein Elektromotor aktiviert, der eine Achse in eine ruckartige, exzentrische Bewegung versetzt.

Die Schellen unterstützen diesen motorischen Lärm mit einem ebenso unklaren Geräusch zwischen feierlichem Geläut und kreischendem Geschepper. Alles ist in Bewegung und nichts tut sich. Vielleicht wird sich als erstes die naheliegende Vermutung erfüllen, daß die ganze Installation aus der Verankerung reisst und zu Boden stürzt.

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Rohrrahmen, Kirchenfenster, Schubläden, Ventilatoren, (2,5 x 2,5 x 2,5Meter)

00:34min.

2014 / Temporäre Installation „On Air“

Bildbeschreibung

Die Installation „ON AIR“ ist kein Vorwurf, sondern vielmehr eine Sehnsuchtsbekundung nach Gesten der Menschlichkeit.Die Installation sollte ähnlich der Kirche einen zentralen Platz innerhalb der Gemeinde bekommen. Der 3 Meter grosse Körper basiert auf senkrecht aufgestellten Glaskörpern, welche aus zum Teil alten bleiverglasten Kirchenfenster bestehen. Der Besucher ist angehalten kleine ausliegenden Zettel mit Gedanken, Gefühlen und Kurzgeschichten zu beschriften. Jetzt beim Betreten der Installation wird mittels einer Lichtschranke ein innerer kreiselnder starker Luftstrom entfacht. Über die Zwischenräume der fächerförmig aufgestellten Scheiben übergibt der Besucher seinen Zettel einer Art künstlischen Windhose. Nach einem kurzen Intervall endet das Spektakel und die Zettel fallen in die unteren Schubläden zurück.

Für den Besucher besteht jetzt die Möglichkeit die Schubladen zu öffnen, die alten Zettel zu lesen und/oder zu beantworten oder sich auf die Suche nach seiner eigenen Botschaft zu machen, um eine mögliche Beantwortung in Erfahrung zu bringen. Sowie die Licht- schranke erneut auslöst bricht der Sturm von Neuen los und formt die Zettel zu einem immer dichter werdenen Windstrudel. Anders als die anonyme Aussprache eines Internetforums ist die eingebende Person auch körperlich präsent und Teil dieser Gemeinde. Da der Zettel keine Rückschlüsse über Alter, Aussehen und Herkunft verrät kann man sich weitestgehend frei auf die Inhalte konzentrieren. Insofern man eine Rückantwort ausdrücklich wünscht wählt man einen roten Zettel oder gibt Informationen an, welche Rückschlüsse wünschen. Für den Besucher besteht auch die Möglichkeitem sich lediglich als Betrachter auf den jeweiligen Prozess einzulassen. Nach einem gewissen Zeitraum wird die Installation in eine neue Gemeinde überführt. Und mit ihr auch die bisherigen Botschaften.

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Animation: Scheibenskulpturengruppe, Beton, Edelstahlsilhouetten, (1,8 x 2,5 x 0,8Meter)

2014 / Ausschreibung „Drei vom Drachenfels

Bildbeschreibung

Der Entwurf entstand im Rahmen der Ausschreibung zur künstlerischen Neugestaltung der Aussichtsplattform des Drachenfels. Das Ensemble mit dem Titel „Drei vom Drachenfels“ (DvD)“ orientiert sich an den Anforderungen dieser Ausschreibungen. Die Skulptur steht in der Tradition meiner Arbeiten „Gräfin mit Reifrock“, „Hundemeute“ (Figurenpark Stammheim, Köln) und „Deutzer Lichter“ (Zoobrücke, Köln), erweitert diese aber durch die Wahl der Materialien (Beton) und mythologische Bezüge (Nibelungensage) um neue Dimensionen.

Kontext: Durch die Reduzierung auf die wesentlichen Gebäudekörper, aber auch durch die Entscheidung für eine offene Treppengestaltung wurde im Zuge der Umgestaltung des Restaurants am Drachenfels ein äußerst ansprechender und inspirierender Raum geschaffen, der nicht nur der Gastronomie neue Impulse verleiht, sondern auch das Bild dieses traditionellen Ausflugsziels neu belebt.

Konzeption: Die dreiteilige Skulptur „ Drei vom Drachenfels“ unterstützt diesen Prozess der Neugestaltung. Wie bei der Installation „Hundemeute“ im Figurenpark (Stammheim) geht es auch hier darum, zwischen pragmatischen Anforderungen und ästhetischen Überlegungen zu vermitteln – die Funktion der Skulptur als visuelles Zeichen für die neue Identität des überregional beliebten Ausflugsorts steht im Vordergrund. Zu den pragmatischen Aspekten, die bei der Konzeption zu berücksichtigen sind, zählen zum einen die Erwartungen der nationalen und internationalen Besucher, die mit dem Namen Drachenfels sowie der Lage am Rhein Erinnerungen an das Nibelungenlied verbinden. Zum anderen sind Fragen der Statik sowie die Notwendigkeit einer Sicherung der Stufen mit Hilfe dieser Figurenkomposition zu berücksichtigen. Die ästhetischen Überlegungen zur Werkgestaltung gehen von der architektonischen Umgebung (verspiegelter Restaurantkubus) und der Farbgebung (weisse Stufensockel), aber auch dem historischen Kontext (Steinbruch am Drachenfels) aus. Die Erwartungshaltung der Besucher soll zwar befriedigt werden (Referenzen zum Nibelungenlied), durch die abstrahierende Form, die Größe und das Material werden die mythologischen Anspielungen aber durchbrochen.

Die Skulptur soll dem Betrachter als Teil des architektonischen Ensembles eine ästhetische Erfahrung ermöglichen, die sich mit den Ereignissen während des Auf- und Abstiegs sowie während des Aufent- halts zu einem stimmigen Gesamterlebnis „Drachenfels“ verbindet.

Figurenensemble „Drei vom Drachenfels“:Die Verbindung von Mythos und Gegenwart bestimmt die Formensprache der Arbeit: drei überlebensgroße Scheibenskulpturen aus Beton und Stahl stellen Siegfried, Kriemhild und den Drachen Fafnir dar. Auf der Vorlage von selbst entworfenen Schnittmusterbögen entsteht eine Vielzahl an gegossenen Formen, die zu den drei Figuren zusammengefügt werden. Die in Edelstahl gefassten weissen Betongüsse bilden später ein kohärentes Ensemble. Halten sie durch die Verschraubung der Einzelteile mit Gewindestangen und die Verankerung am Boden.Das Ergebnis dieser Verfahrensweise sind in ihrer Plastizität stark reduzierte, auf eine dreidimensionale Evozierung von Körperlichkeit verzichtende Figuren.Die Verbindungen der Körperteile an den Gelenken erinnern an überdimensionierte Marionetten und erwecken den Anschein mechanischer Bewegbarkeit – die Betrachter sind eingeladen, die Figuren zu berühren und sich so selbst zu vergewissern. Dabei offenbart sich jedoch schnell die Diskrepanz zwischen scheinbarer Leichtigkeit und Flexibilität auf der einen, und dem schweren, zu einer festen Form verbundenen Material auf der anderen Seite: Die trotz ihrer – den Nibelungen entsprechenden – Größe dynamisch wirkenden Skulpturen sind zur Inszenierung erstarrt.

Die Wirkung der Skulptur hängt stark vom Blickwinkel ab. Den Besuchern eröffnen sich – je nach Aufstiegsweg – zwei unterschiedliche Perspektiven. So ist die Installation von der Zahnradbahn aus zunächst frontal zu sehen – die abstrakte Eindimensionalität der hintereinander gestaffelten Betonscheiben überwiegt. Der Aufstieg auf der Rheinseite gibt hingegen die Seitenansicht (Silhouette) auf die drei Figuren frei. Durch die partiellen Überlagerungen der Körperelemente wird allerdings auch hier erst nach und nach der Blick auf das gesamte Ensemble freigegeben.Das Figurenensemble „Drei vom Drachenfels“ basiert auf langjährigen Erfahrungen mit überdimensionierten Scheibenskulpturen in unterschiedlichen Formen und Kontexten.

Neu ist hier die Erweiterung der Linienführung mit Hilfe von in die Betonform eingelassenen oder/und aufgebrachten Vertiefungen bzw. Erhebungen. Dadurch wird es möglich, von der abstrakten Form der bisherigen Arbeiten und Reihen abzuweichen und die Bezüge zum mythologischen Kontext des Nibelungenliedes durch Andeutungen historisieren der Bekleidungen und Waffen herzustellen.

Vorhang, Schien, Ventilator, Lack, (2,5 x 2,3 x 0,3Meter)

2014 / Kraftausdruck „Friss Scheisse

Bildbeschreibung

So lieblich und dekorativ der erste Eindruck, so scheinbar überflüssig der Zweite. Die Installation spielt mit dem Gefühl, daß die Welt in Ordnung ist. Der Wunsch nach Ruhe, Ordnung und Geborgenheit scheint verständlich, wohingegen das Ausblenden vieler Lebensbegleiterscheinungen thematisiert werden müsste. In einer Welt aus Shoppingmalls, verwaisten Kirchen, familienlosen Netzwerken, jugendfanatisierten Menschenbildern, und der Sexkompressur der neuen Medienlandschaft gereichen selbst 4000 Hooligans zu einem Hoffnungsschimmer. Einem Hoffnungsschimmer in der selbstverordneten verängstigten Genügsamkeit.

In einer Welt, in der selbst die Verlierer bewahren wollen. Die Installation soll aus mir und für mich arbeiten. Soll mich aus der ängstlichen Liturgie befreien. Soll mich erinnern, mich zu freuen, wenn es etwas zu freuen gibt und mich zu erzürnen, wenn mich etwas erzürnt. Soll mir helfen, etwas zu riskieren, für etwas einzustehen, mich zu zeigen, mobil zu machen, ohne dass die Feuerwehr kommt. Den meisten reicht es schon, etwas kaufen zu können ohne je etwas gewollt zu haben. Die Normalität, Kinder zu bekommen, generiert zu Königsklasse der sinnvollen Lebensinhalte. (G.)

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Baustahl, Stahlseil, Expanderseil, Gummi, Isolatoren, Ronden, Lack, (2,5 x 17 x 0,3Meter)

2013 / Installation „Mülheimer Freiheit

Bildbeschreibung

Die Installation „Mülheimer Freiheit“ erinnert an die ruhmreiche Vergangenheit des Kölner Stadtteils, der bis zu seiner Eingemeindung im Jahr 1914 seine Unabhängigkeit von dem benachbarten Köln bewahren konnte. Die Installation kontrastiert eine Bildersequenz, die den Weitspringer (Mike Powell, Weltrekordhalter seit 1991) zeigt, mit historischen Silhouettenkörpern. Ihr liegt eine Ästhetik des Fortschritts zugrunde, die Geschichte, Gegenwart und Zukunft dynamisch verbindet – eine Hommage an die „Mühlheimer Freiheit“.(R.)

Am 7. März 1322 wurden Mülheim die Rechte einer Freiheit verliehen. Die beabsichtigte Konkurrenz der Grafen von Berg zur Stadt Köln wurde von den Kölnern argwöhnisch betrachtet. Die gegen Köln gerichteten Befestigungsmauern der „Freiheit“ (heute noch unter dem Namen „Mülheimer Freiheit“ als Straßenzug vorhanden) wurden auf Kölner Veranlassung immer wieder abgebrochen, zuletzt 1641. Köln hat immer wieder versucht, den Ausbau Mülheims zur Stadt einzuschränken. Die Installation „Mülheimer Freiheit“ erinnert an die ruhmreiche Vergangenheit des Kölner Stadtteils, der bis zu seiner Eingemeindung im Jahr 1914 seine Unabhängigkeit von dem benachbarten Köln bewahren konnte. Sie kontrastiert eine Bildersequenz, die den Weitspringer (Mike Powell, Weltrekordhalter seit 1991) zeigt, mit historischen Silhouettenkörpern. Ihr liegt eine Ästhetikdes Fortschritts zugrunde, die Geschichte, Gegenwart und Zukunft dynamisch verbindet – eine Hommage an die „Mühlheimer Freiheit“.(R.)

Ebene I / Weltmeisterweitsprung Mike Powell, 1991 (Schablonenauftrag mittels Spraydose in schwarz) Der in seiner Weite realistisch dargestellte Weitsprung zeigt den seit 1991 bestehenden Weltmeister Mike Powell. Die Darstellung dieses Rekordsprunges verbindet die dreigeteilte Wand äche zu einer ästhetischen Gesamtbetrachtung. Diese exakte und explosionsartige Wettkampfdisziplin steht zum einen für die weltumspannenden Innovationen des Industriestan dortes aus vergangener Zeit und den starken Bemühungen völlig neuer und kraftvoller Bestrebungen aus Kunst und Wirtschaft.

Ebene II / Sheddachsilhouetten (mehrteilige Konstruktion aus rostigem Stahl) Die grossen Montierungshallen der Waggonfabrik bildeten nur ein Teil des ausgedehnten Sheddachkonstruktionen direkt an der Deutz-Mülheimer-Straße. Ein Großteil dieser Shedhallen wurde mit dem Bau einer Großhalle um 1910 abgebrochen.

Ebene III / Mülheimer Brücke (lackiertes Drahtseil im Kölner Brückengrün) Die Mülheimer Brücke wurde 1929 von der Stadt Köln im Zuge der Eingemeindung der Stadt Mülheim nach Köln unter Oberbürgermeister Konrad Adenauer errichtet. Die Kabel für die Konstruktion lieferte die Mülheimer Firma Felten & Guilleaume. Sie ist auch Erinnerung und politisches Zugeständnis für das Bestehen und die Aufgabe der Mülheimer Freiheit.

Ebene IV / E-Look und Wuppertaler Schwebebahn (Expanderseil und Rundstahl in rot und gelb) Mit Vertragsschließung am 14. 12. 1845 zwischen Ferdinand van der Zypen aus Lüttich und Albert Charlier aus Köln wurde unter dem Namen Eisenbahnwagen- und Maschinenfabrik van der Zypen & Charlier eine der frühesten deutschen Eisenbahnwaggonfabriken gegründet. Eugen Langen war Mitbesitzer und Ingenieur der Kölner Waggonfabrik van der Zypen & Charlier. In dieser Eigenschaft setzte sich Langen am 28. Dezember 1894 mit seinem Schwebebahnbahnprojekt gegen Mitbewerber durch und wurde dadurch zum Vater der Wuppertaler Schwebebahn.

Ebene V / Bugatti, Traktoren von Deutz-Fahr (Expanderseil und Rundstahl in grün) Über einen Zwischenstopp kam Bugatti 1907 zur Gasmotoren-Fabrik Deutz AG in Köln. Nach Feierabend konstruierte Bugatti einen Kleinwagen. Im Dezember 1909 kündigte die Deutz AG den Arbeitsvertrag mit Ettore Bugatti. In Köln hielt man seine Konstruktionen für zu kompliziert und deren Fertigung für zu unwirtschaftlich. Im Jahre 1912 kam der Bugatti Type 13, jenes Auto das in seinem Keller in Köln entstand, auf den Markt. Die lange Geschichte von DEUTZ-FAHR ist mit einem Namen eng verbunden: Nicolaus August Otto gründete 1864 die Motorenfabrik N.A. Otto & Cie., später Klöckner-Humboldt-Deutz AG (KHD) in Köln und erfand kurz darauf den ersten Viertakt-Verbrennungsmotor. Als herausragende Beispiele gelten der Beginn der Serienproduktion von Traktoren mit Dieselmotor (1927) die Serienfertigung von Kleintraktoren (1936), der Einsatz von luftgekühlten Dieselmotoren (1949), der erste »Freisicht«-Traktor AgroXtra (1990) und der Agrotron-Baureihe (1995), die den Begriff »Traktor« neu definiert hat.

Ebene VI / Nepomuk, Mülheimia, Jan Wellem… (Rundstahl und Expanderseil in blau) Nepomuk ist der Schutzheilige der Schiffer, Brücken- und Beichtväter. Mülheimia betitelt den Stadtbrunnen Mülheims welcher an der Straße Mülheimer Freiheit liegt. Dieser Brun- nen stellt auf der Spitze einer säulenähnlichen Kon- struktion die Stadtgöttin dar. Die Säule wird im Mit- telteil umgeben von drei mittelalterlich gekleideten Knaben, die den Handel, die Industrie und den Ackerbau darstellen, entsprechend der früheren Bedeutung des Ortes als orierende Industriestadt. Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz, in der nieder- rheinischen Mundart auch liebevoll als „Jan Wellem“ bezeichnet, ist mitverantwortlich für die tolerante Konfessionspolitik des kleinen und freien Landkreises Mülheim. 1610 errichten die Protestanten in Mülheim die erste evangelische Kirche. Mülheim lockte durch diese religiöse Tole- ranz wohlhabende protestantische Kau eute an, die sich im streng katholischen Köln nicht ansiedeln durften (seit den religiösen Wirren von 1714). Während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert ließen sich einige Unternehmen auf Mülheimer Gebiet nieder die überregionale Bekanntheit erreichen soll- ten, so 1851 die Bleiweißfabrik „Lindgens & Söhne“, 1872 die Schamottefabrik „Martin & Pagenstecher“, 1872 das Walzwerk „Böcking & Cie“ und 1874 die Drahtseilerei „Felten & Guillaume“. Felix ist ein Comic-Magazin, das im Bastei-Verlag in der Zeit von 1958 bis 1981 erschienen ist. Die Bastei Lübbe AG (bis August 2013: Bastei Lübbe GmbH & Co. KG) ist eine der größten Verlagsgruppen Deutschlands. Das Unternehmen hatte bis 2009 seinen Sitz in Bergisch Gladbach, siedelte jedoch 2010 in das benachbarte Köln-Mülheim über. Das RTL-Bunny steht bezeichnend für den Medienstandort des kölner Stadtteils Mülheim.

Ebene VII / Fussnote (PP-Seil in orange und Federdraht) Als Förderer und Wegbereiter dieser Kunstinstallation setzt meta | five human performance consulting eine Fussnote im firmentypischen Orange.

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27 Figuren, Alugerüst, UV-Licht, Signallack, (4 x 30 x 1,5 Meter)
25:18min.
04:51min.
07:55min.

2013 / Biegestahl „Deutzer Lichter

Bildbeschreibung

Köln und Attendorn, zwei Städte welche sich kennen, halfen und auch positiv bestärkten. Nicht nebenan, doch auch nicht fern. Sie stehen für das Kreuz und den Stahl, für die Widersprüchlichkeit und Kraft des Karnevals, und zählen ähnliche Personen zu ihren Vertrauten.Die Installation „Deutzer Lichter“ besteht aus heiss- und kaltgebogenem Baustahl. Mittels der Kraft der aus Stahl gebogenen Silhouetten entstehen geschichtliche Umrisse. Die in Attendorn und in Köln zunächst getrennt erstellten Figurenkompositionen spielen mit den lokalen Besonderheiten der jeweiligen Region. Später, auf dem Dach des Atelierhauses Kunstwerk (in Köln) verschmelzen beide Figurengruppen unter dem Titel „Deutzer Lichter“ zu einer Einzigen. Auch wenn in beiden Regionen die Montanindustriehochzeit längst Geschichte ist, glüht das Werk mittels eines Phosporanstriches nachts wie glühender Stahl an der A4. Einer Verkehrsader auch zwischen Köln und Attendorn.(R.)
Bildarchiv
Stahlgerüst, Betonfundament, Schuhe, (4,5 x 3,5 x 3,5Meter)

2012 / Biegestahl „Mülheimer Eiche

Bildbeschreibung

Die Installation besteht aus 3 Teilen. Die Silhouette eines geschlossen Laubbaumes in weissem Anstrich; die Silhouette der inneren Verästelung in lichtspeicherndem weissem Anstrich und, daran aufgehängt, ca. 150 linke Schuhe. Die Eiche symbolisiert die Kraft der Heimat und Gastfreundschaft und steht für Stärke und Schutz. Die Verästelung mit ihren Schuhen symbolisiert die Vielschichtigkeit der Bevölkerung, welche nach individuellen Lebenswegen hier ihren Lebensmittelpunkt gefunden hat. Die Installation versucht nicht, die Schwierigkeiten des sozialen Brennpunktes Höhenhaus zu vertuschen; die Kunst weist vielmehr Wege aus der Krise und stärkt zur Identifzierung mit dem eigenen Stadtteil. (S+R)

Warum Eiche? Die Eiche gilt wegen ihrer Größe und Festigkeit als „die Herrscherin des Waldes“. Neben der Bedeutung Treue sagt man der Eiche nach, dass sie allen ehrlichen und mutigen Menschen Schutz und Gastfreundschaft bietet. Der in der germanischen Kultur als heilig verehrte Baum steht auch für Kraft und Beständigkeit.

Warum Schuhe? (Alltagsgegenstand vielschichtiger Bedeutung) Bequeme Schuhe stehen für Erfolge, abgetragene für Mißerfolge. Zäh wie altes Schuhleder – unverwüstlich sein. Sich den Schuh anziehen – Verantwortung übernehmen! In guten Schuhen stehen – einen guten Ruf haben! In seinen eigenen Schuhen stehen – sich alles selbst erarbeitet haben! (G.)

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Holz, Plexiglas, Knetgummi, (3,5 x 2 x 2Meter)

00:23min.

2012 / Installation „Sis Kebab

Bildbeschreibung

Die Installation „Sis Kebab“ unterteilt die Lebenszyklen in 4 Lebensphasen (4 – 14, 14 – 34, 34 – 64, 64 – 94 Jahre), die in einem Kubus als übereinander gestapelte Ebenen oder Schichten dargestellt werden. Um die Vorstellung von Schichten zu unterstützen verläuft der Lebenszyklus hier von oben nach unten. Die im Unterbewusstsein angesiedelte Frühphase (0-4 Jahre) bleibt dabei unberücksichtigt. Die Lebensphasen werden durch charakteristische Projektionen, Gegenständen, Utensilien veranschaulicht, welche neben dem optischen Eindruck auch haptische und akustische Eindrücke bieten.Das Hauptgewicht dieser Arbeit liegt auf der räumlichen Darstellung der sog. Diskothekenlebensphase (14-34 Jahre), die allgemein als die intensivste gilt – eine lebensbejahende, vernetzte, freie und offene, unbeschwerte Zeit. (R.)

„Solange meine Mutter lebt, denkt und spricht bin ich Sohn und war Kind. Die zeitliche Welt unterteilt uns in Gruppen und unterhält uns als Gleichgesinnte. Als ausgereifter Mensch wird mir die zwanghafte Zeitschichtung offenbar. Ich erkenne die Blicke wieder, wenn junge gesunde Menschen, ältere, schwach und krank werdende skeptisch beachten. Sie beobachten nun auch mich zunehmend unverständlich. Sie wollen noch nicht wissen von der Endlichkeit des Seins, den Begrenzungen der Möglichkeiten auch als Option. Ich merke, dass ich nicht mehr ihre Sprache spreche, werde unsicher, unklar und schon werde ich in die nächste Stufe durchgereicht. Grotesk, dass trotz des Zwanges die Zugehörigkeit letzten Endes die einzige Chance ist den jeweiligen Zyklus heil zu überstehen und das Leben zu meistern.“ (G.)

Bildarchiv
Glas, Stahl, Styropor, Mutterboden 600Kilo, (2,4 x 2,4 x 2,4Meter)

00:23min.

2012 / Installation „Erden

Bildbeschreibung

Die Installation „Erden“ besteht aus einem Glaskörper, der von einem Stahlrahmen getragen wird und mit naturbelassenem Mutterboden befüllt ist. Im Kontrast zwischen Innen und Außen – die glatten Oberflächen geben nur widerwillig den Blick auf das dahinter Liegende frei – wird das Spannungsverhältnis zwischen städtischer Architektur und ungeordneter Natur zum Ausdrduck gebracht.(R.)
3 Figuren, Baustahl 1cm, lackiert, Gerüstrohr, (3,2 x 4 x 2,5Meter)

2012 / Biegestahl „Köln-Möhnesee

Bildbeschreibung

Die hier abgebildete Figurenkompositon besteht aus drei Skulpturen. Der Elefant steht für die Region Möhnesee und zeigt sich in einem fluoriszierendem Blau. Die für Köln erstellten Figuren werden in fluoriszierendem Rot dargestellt.(G) Die Skulpturenserie BIEGESTAHL basiert auf der Skulpturenserie SCHEIBENSKULPTUREN (1997-2009), sowie der Serie DREHSTAHL (2009). Die überlebensgroßen, handgebogenen Stahlskulpturen spielen durch ihre filigrane Konstruktion mit der Kraft der Silhouette.
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22 Marionetten, Gerüstgestell, Lichtschranke, Soundinstallation, (3,2 x 4 x 3,5Meter)

2011 / Marionetten „Menschenmassen

Bildbeschreibung

Die begehbare Installation „Menschenmassen“ spielt mit der Faszination von Gewalt und thematisiert die Wirkung rassistischer und sexistischer Stereotypen. Eine Soundcollage verstärkt die bedrohliche Atmosphäre. Das Publikum ist aufgefordert, Stellung zu beziehen. Die Installation basiert auf einer beweglichen Gerüstrohrkonstruktion. Die Bauhöhe der Konstruktion unterstützt die Wirkung des Ensembles und ermöglicht den Betrachtern, sich in die Figurengruppe hineinzubegeben.(R)
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3 Marionetten, 144 Holzkreuze, 3 Benzinkanister, 15 Bilderrahmen, (2 x 4 x 2Meter)

2011 / Marionetten „Dreigestirn

Bildbeschreibung

Die Installation „Dreigestirn“ inszeniert Variationen von Lust und Laster, spielt mit Faszination und Abscheu und thematisiert die Doppelmoral der Gesellschaft. 15 Portraits (u.a. von Dolly Buster, Adolf Hitler, Josef Frizl) unterstützen die plakative Personifizierung von Sex, Macht und Gewalt. Der Karneval als 5 Jahreszeit, in der unterdrückte Wünsche und Träume ausgelebt werden dürfen, und die Kirche mit ihren widersprüchlichen Verhaltensanweisungen, vertreten durch die Fusswaschung und das Fegefeuer (144 Kreuze), komplettieren die Installation, der die Hautfarbe einen menschlichen Anstrich gibt.(R)
2Achsen, 24 Silhouetten, Motor, Signalfarbe, (3 x 4 x 1,5Meter)

00:43min.

2009 / Drehstahl „Kindfrau

Bildbeschreibung

Die raumgreifende Installation DREHSTAHL „Kindfrau“ besteht aus Stahlsilhouetten, die mit Hilfe eines Elekromotors bewegt und in einem abgedunkelten Raum (Schwarzlicht) präsentiert werden. Durch die Dichte der zeichnerisch strengen Körperformen kommt es zu einem gewollten Au ösen körperlicher Zuschreibungen. So wird der Betrachter angeregt, von einer ordnenden und kategorisierenden Art der Wahrnehmung abzugehen und den ‚chaotischen Blick’ auf die Formenvielfalt zuzulassen. Die Dynamik der Bewegung unterstützt in zweierlei Hinsicht die intendierte Wirkung dieser Installation. In der Betrachtung entstehen zwei völlig inhaltsbefreite plastische Körper, welche wiederum bei einer Frontalbetrachtung einen glasklaren und konkreten, beinahe lmisch präzisen, Eindruck des stilisierten Entwicklungsprozesses hervorrufen. (R.)
52 Kunstzitate, Kreuzung Deutz-Mülheimerstrasse / Ferdinandstrasse, Köln-Mülheim

2008 / Lichtprojektion „Kunstzitate

Bildbeschreibung

Die Lichtprojektion „Kunstzitate“ unter dem Motto „Kunst ist Hunger aus dem Kopf“ (Gilbert Flöck) besteht aus 52 Zitaten, die im wöchentlichen Wechsel allabendlich vom Atelier des Künstlers Gilbert Flöck projiziert werden. Die Zitate namhafter Künstler von Picasso bis Woody Allen spiegeln die Vielfalt und Widersprüchlichkeit des Kunstbegriffes wider. Die Projektion im öffentlichen Raum soll den Standort des Atelierhauses „Kunstwerk e.V. Köln“ mit seinen ca. 180 Kunstschaffenden verdeutlichen.(R.)
900 Stck., Fotoabzüge (9 x 13cm), MDF, Aufenthaltsraum Notschlafstelle Köln/Südstadt

2008 / Installation „Kulturwaisen

Bildbeschreibung

Diese Fotos spiegeln die Kraft und Zerrissenheit wider, mit der die Szene täglich aufwacht, in der Rogalla lebt, und Flöck nur zu Besuch ist. Auf engstem Raum drängen sich die auf Mdf kaschierten, passgenau angebrachten ca. 900 Exponate, ausgesucht und arrangiert von Gilbert Flöck. Werner Rogalla ist so ungewöhnlich wie seine Fotografien. Der 50jährige gelernte Schlosser und Hobby-Fotograf lebt heute im Männerwohnheim Johanneshaus in der Kölner Annostrasse. Seine Lust, unzählige Photos zu schießen, begründet er mit dem Kampf gegen die Langeweile und den Alkohol. Fotografieren ist ein wichtiger Bestandteil seines Lebens geworden, vielleicht sind deshalb auch so viele Selbstportraits unter seinen Arbeiten. Gilbert Flöck, freischaffender Künstler und als Pädagoge teilzeitbeschäftigt im Männerwohnheim, entdeckte zwischen Tabakresten, Kaffeemaschinen, auf Fensterbänken und Kommoden verteiltes und unsortiertes Bildmaterial von Werner Rogalla. 9 x 13, matt und direkt sind sie voller emotionaler Bildschatten.

Diese Fotos spiegeln die Kraft und Zerrissenheit wider, mit der die Szene täglich aufwacht, in der Rogalla lebt, und Flöck nur zu Besuch ist. Auf engstem Raum drängen sich die auf Mdf kaschierten, passgenau angebrachten ca. 900 Exponate, ausgesucht und arrangiert von Gilbert Flöck. Die Hängung reißt am Auge des Betrachters, gibt zunächst Einzelheiten frei, schützt sich in der Masse und lädt am Ende zu einem (fast) ästhetischen Gesamteindruck ein. So befinden sich die Bilder in Einklang mit dem lebensvollen öffentlichen Aufenthaltsraum des Männerwohnheimes. Für die Szene ist dieser Ort wie ein Bahnhof. Hier ist, wer wohnt, durchreist, besucht, flieht, trinkt, feiert, schreit und lacht. Jeder Einzelne ist hier unter sich. Alle sind Kulturwaisen.